Mittwoch, 29. Oktober 2014

Montag, 27. Oktober 2014

Geblieben [Barceló Asia Gardens, Finestrat]


































[Fotos: C. Hoff]

Er braust rasch über die Autobahn. Immer der Küstenlinie entlang. Vor den braun-grauen Bergen das Meer, das nicht enden will. Orte weit hinten und doch ganz nah. Er fährt den Berg hinauf. Ich erahne in der Nähe einen Freizeitpark, der mit schrillen Verheißungen lockt. Doch ich möchte woanders hin. In die Stille. Durch das Tor sehe ich eine rote Gebäudesilhouette, die umrankt ist von bauschigem Grün. Das Entree ist mit dem Auge kaum zu fassen. Ich höre Klänge. Auf der Terrasse schaue ich nach unten. Palmen, dazwischen Wasserrauschen, eine Sonne, die untergeht. Kitschig beinahe. Menschen gleiten durchs Wasser und schauen über Brüstungen. Weiße Gardinen flattern im Wind. Ich halte mein Gesicht in die Sonne. Eine Tasse Kaffee in der Hand, schmilzt die dunkle Schokolade dahin. Die Köche haben alles bereit gestellt. Brühe, Bohnen, Reis. Ein wenig Hühnchen auch und eine rote Paste, die nach süßer Paprika schmeckt. Ich koche nicht, ich sehe den anderen nur zu. Wie sie rühren und schmecken. Wie das Gas zischt in der gusseisernen Pfanne. Und Flammen auflodern. Dazwischen ein Glas weißer Wein. Fein geschnittener spanischer Schninken, rote kühle Gazpacho und ein Stück Tortilla. Spaziergang. Wege winden sich nach unten. Dann wieder Treppauf. Ein wenig Schlaf. Sri wartet am Wasser auf mich, während sich die Gardinen bauschen und Schatten auf den Futon werfen. Sie klopft auf Arme, Füße und Beine. Sie bringt einen grünen gezuckerten Tee. Mit Schale und gusseiserner Kanne. Wieder höre ich Klänge. Und will nicht mehr weg.

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Blumen [Barceló Asia Gardens]



























[Fotos: C. Hoff]

Die Sonne steht tief. Doch sie scheint kräftig aufs Gesicht. Nur: Der Herbst naht. Blätter kräuseln sich trocken. Fallen hinab. Doch da sind Blüten. Rot. Lila hell. Orange. Wenn sie verwelkt sind, ist es das Grün, das raschelt. Zwischen Wellen und Strömen von Wasser. Es ist ein Garten wie er sein könnte in Asien. Üppig, immergrün, dicht, duftend. Ein Garten, der sich windet hinunter zum Meer. In der Ferne sehe ich Betontürme aufragen. Benidorm.

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Hinterland [Alicante]







































[Fotos: C. Hoff]

Fernab der Hochhaustürme. Fernab der eng gestellten Sonnenliegen. Fernab der Lautstärke. Und doch gibt es Stille. Im Hinterland bei Alicante. Mit kieseligen Stränden und unendlichem Himmel, kleinen Kapellen über steilen Felsen. Hinauf führt ein buckeliger Weg, gepflastert mit glattgeschliffenen Kieselsteinen. Meine Schuhsohlen sind so dünn. Dächer mit Ziegeln aus orange-roter Terracotta, sich einem blauen Stausee zuneigend. Darauf eine Barkasse, die nicht fährt. Kahle Berge, sich im Wasser spiegelnd. Altea am Abend. Zur blauen Stunde kein Unterschied zwischen dem Himmel und dem Meer. Zartes Blau in Rosa getaucht. Die Kuppeln der Kirche sind blau und glänzen. Der Platz ganz oben im Dorf ist mit Stühlen aus Holz bestellt, ringsherum. Rotwein auf dem Tisch. Eine Zigarette vielleicht. Und etwas Salziges auch. Menschen flanieren vorbei. Das Akkordeon spielt manchmal falsch. Es ist Oktober im Süden Spaniens. 

Dienstag, 21. Oktober 2014

Buchtipp: Make more Love [Rogner & Bernhard]



























[Foto: Rogner & Bernhard Verlag]

Ann-Marlene Henning hat so eine charmante Art, Sex zu erklären. Auch in ihrem neuen Buch Make more Love. Ein Aufklärungsbuch für Erwachsene, das die dänische Sexologin zusammen mit Anika von Keiser geschrieben hat. Dieses Mal geht es allerdings nicht um Sex in jungen Jahren wie in ihrem letzten Buch, sondern um Sex ab 40. Schwungvoll, unprätentios, witzig und nie langweilig geschrieben, präsentiert Henning aktuelle Forschungsergebnisse und gibt Tipps und manchmal gar Anleitungen zu besserem Sex. Schön sind die eingestreuten Fotoserien von echten (älteren) Paaren und zuweilen amüsante Infografiken. Mehr davon bitte!

Erschienen ist das Buch im Berliner Verlag Rogner & Bernhard:

Flexcover, Lesebändchen, mit zahlreichen Fotografien und Infografiken
352 Seiten
Euro 22,95
ISBN 978-3-95403-070-5
Erschienen Oktober 2014

www.rogner-bernhard.de

doch-noch.de

Sonntag, 19. Oktober 2014

New Hand Lab [Covilhã]






































[Fotos: C. Hoff]

Covilhã war einmal das Zentrum der portugiesischen Textilindustrie. Nun stehen die Webstühle still und die imposanten Fabriken leer. Und dabei ist es so atmosphärisch hier! Riesige Räume, in denen man noch der schweren Arbeit nachspüren kann. Alte Möbel, Hocker und Tische aus Holz. Halbblinde Fenster mit Blick auf den Hof und die schwindelerregende Fußgängerbrücke. Draußen, nachdem man den tosenden Fluss passiert hat, ein Schild: New Hand Lab. Architekten, Künstler, Modedesigner und andere Kreative tummeln ich hier. Es könnte in Berlin sein oder auch in London. Stattdessen eine Kleinstadt im Zentrum Portugals. In nur einem Jahr ist hier allerlei entstanden. Es wurde entrümpelt, geputzt, geweißelt, eingerichtet. Nun sitzen alle unter dem Wärmepilz am schön gedeckten Tisch. Es gibt Rotwein und portugiesisches Bauernessen mit Lamm, Reis und Bohnen. Ich bin in eine Mohair-Decke gekuschelt, die Francisco gewebt hat. Mit wunderschönen Farbverläufen. Nachher bestaune ich noch MEGs absurd-komische Figuren und Gesichter aus Pappmaché und Anas gehäkelte, zuckersüße Kuscheltiere. Und die Capes, Mäntel und Jacken, die Miguel entworfen hat. Ich möchte länger sitzen bleiben am alten Bollerofen und den Regen gegen die Fenster prasseln hören.

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